Sinti Allianz

WIR ÜBER UNS | MER HAM SINTE

Die Sinti Allianz Deutschland e. V. wurde im Jahr 2000 gegründet. Initiatorin und erste Vorsitzende war Natascha Winter. Ihr Ziel war es, den deutschen Sinti eine starke Stimme zu geben und ihre Geschichte, Kultur und Identität sichtbar zu machen.

Wir vertreten deutsche Sinti, die sich ihrer über Generationen gewachsenen Kultur, Sprache und Lebensweise besonders verbunden fühlen. Unsere Traditionen, unsere Werte und unsere Herkunftssprache Romanes sind Teil unserer Identität. Wir verstehen uns als Teil der deutschen Gesellschaft und zugleich als historische Minderheit mit einer eigenen Kultur.

Seit über 600 Jahren Teil Deutschlands

Sinti leben seit mehr als sechs Jahrhunderten in Deutschland. Die überwiegende Mehrheit besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlt sich ihrer Heimatregion ebenso verbunden wie Deutschland insgesamt.

Dennoch wird häufig übersehen, dass Sinti keine Einwanderer sind. Unsere Geschichte ist ein Teil der deutschen Geschichte. Über viele Jahrhunderte waren unsere Familien jedoch immer wieder von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen.

Vielfalt innerhalb der Minderheit

Der Sammelbegriff „Sinti und Roma“ beschreibt verschiedene Gruppen mit eigener Geschichte, Kultur und sprachlichen Besonderheiten. Dazu gehören unter anderem Sinti, Roma, Manouches, Kalé, Romanichels, Travellers, Dom und Lom.

Auch innerhalb des Romanes gibt es unterschiedliche Sprachformen und Dialekte. Ebenso unterscheiden sich Traditionen, Familienstrukturen und kulturelle Prägungen. Diese Vielfalt sichtbar zu machen, war bereits unserer Gründerin Natascha Winter ein besonderes Anliegen.

Ein bedeutender Beitrag zur europäischen Kultur

Sinti und Roma haben die Kultur Europas über Jahrhunderte mitgeprägt. Besonders Musik, Tanz und Erzählkunst wurden von Angehörigen der Minderheit bewahrt und weiterentwickelt. Zahlreiche bedeutende Komponisten ließen sich von Musikern aus unseren Gemeinschaften inspirieren.

Als reisende Musiker, Schausteller und Handwerker brachten unsere Vorfahren Kultur in Städte und ländliche Regionen. Dieser bedeutende kulturelle Beitrag ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Die Verfolgung während des Nationalsozialismus

Die Geschichte der deutschen Sinti ist untrennbar mit der nationalsozialistischen Verfolgung verbunden.

Bereits ab 1933 begann die systematische Entrechtung. Ab Mitte der 1930er Jahre wurden Sinti und Roma in zahlreichen deutschen Städten in bewachten Zwangslagern interniert. Sie verloren ihre Bewegungsfreiheit, wurden registriert, rassenideologisch erfasst und zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Am 16. Mai 1940 begannen die ersten großen Deportationen deutscher Sinti in Konzentrationslager. Viele Familien wurden auseinandergerissen, zahlreiche Kinder verschleppt.

Schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma wurden während des nationalsozialistischen Völkermordes ermordet.

Für deutsche Sinti bedeutete dies eine besonders schmerzliche Erfahrung: Deutsche Behörden entrechteten, deportierten und ermordeten deutsche Staatsbürger.

Ausgrenzung nach 1945

Mit dem Ende des Nationalsozialismus endete die Diskriminierung nicht.

Viele Überlebende wurden weiterhin von denselben Behörden und teilweise sogar denselben Beamten kontrolliert und stigmatisiert. Polizeiliche Erfassungen aus der NS-Zeit wurden vielerorts fortgeführt, Entschädigungen blieben häufig aus.

Erst 1982 erkannte Bundeskanzler Helmut Schmidt den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma offiziell im Namen der Bundesregierung an.

Erinnerung bewahren – Verantwortung übernehmen

Die Geschichte unserer Minderheit darf nicht in Vergessenheit geraten.

Wir setzen uns dafür ein, dass insbesondere Schulen, Polizei, Verwaltung und Gesellschaft die Verfolgungsgeschichte der Sinti kennen und verstehen. Erinnerung ist Voraussetzung für Demokratie, Menschenwürde und gegenseitigen Respekt.

Gleichzeitig begleiten wir Überlebende des Nationalsozialismus und ihre Familien, engagieren uns für den Erhalt denkmalgeschützter Grabanlagen und setzen uns dafür ein, dass diese Familiengedächtnisstätten dauerhaft bewahrt werden.

Teilhabe ermöglichen

Auch heute erleben viele Sinti Benachteiligungen beim Zugang zu Bildung, Wohnraum und Arbeitsmarkt. Antiziganistische Vorurteile erschweren eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe.

Wir setzen uns deshalb für Chancengleichheit, Minderheitenschutz und den Erhalt unserer kulturellen Identität ein. Dazu gehört auch die Anerkennung unserer Herkunftssprache Romanes sowie der Respekt gegenüber unseren Traditionen und unserer Lebensweise.

Brücken bauen

Die Sinti Allianz Deutschland versteht sich als Brückenbauer zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft.

Mit Erzählcafés, Ausstellungen, kulturellen Veranstaltungen, Erinnerungsprojekten und Bildungsangeboten schaffen wir Begegnungen und fördern den Dialog. Unser Ziel ist ein realistisches Bild der deutschen Sinti – jenseits von Vorurteilen und Klischees.

Als Bundesdachverband unserer Landes- und Regionalvereine engagieren wir uns für die gesellschaftliche, kulturelle und politische Teilhabe deutscher Sinti. Wir möchten nicht auf antiziganistische Stereotype reduziert, sondern als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger unseres Landes wahrgenommen werden.

Unsere Organisation

Nach Schätzungen der Sinti Allianz Deutschland leben rund 150.000 Sinti in Deutschland.

Seit 2018 befindet sich der Sitz unseres Bundesverbandes in Bergisch Gladbach.

Unsere Gründerin Natascha Winter führte die Sinti Allianz Deutschland bis zu ihrem Tod im Jahr 2012. Ihr Engagement für die Rechte und die Sichtbarkeit deutscher Sinti prägt unsere Arbeit bis heute.

Heute wird die Sinti Allianz Deutschland e. V. vom Vorstand unter dem Vorsitz von Oskar Weiss vertreten. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, Geschichte zu bewahren, Kultur zu stärken und eine Zukunft zu gestalten, in der Sinti selbstverständlich als gleichberechtigter Teil Deutschlands anerkannt werden.