Kategoriearchiv: Allgemein

Erinnern und Gedenken – 80 Jahre nach der Deportation der Sinti und Roma aus Gelsenkirchen

Gedenkveranstaltung auf dem Rosa-Böhmer-Platz

Gemeinsam mit der Sinti Allianz Deutschland NRW e. V. erinnert die Stadt Gelsenkirchen an die Deportation von Sinti und Roma aus Gelsenkirchen nach Auschwitz vor 80 Jahren. Mit der Gedenkveranstaltung wird den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung gedacht und ihre Geschichte sichtbar gemacht.

Die Gedenkstunde findet statt am:

Samstag, 23. September 2023, um 11:00 Uhr
Rosa-Böhmer-Platz
(gegenüber dem Hans-Sachs-Haus)
Gelsenkirchen

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, Karin Welge, sowie der Landesvorsitzende NRW der Sinti Allianz Deutschland, Peter Richter, werden mit ihren Gedenkreden an die Opfer erinnern. Die Veranstaltung wird musikalisch durch das Danjetto Winterstein Quartett aus Düsseldorf begleitet.

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, gemeinsam mit uns dieser Menschen zu gedenken und ein Zeichen für Erinnerung, Verantwortung und gegen das Vergessen zu setzen. Gerne können Sie eine Rose mitbringen und diese an der Erinnerungsorte-Tafel für Rosa Böhmer und ihre Familie niederlegen.

Historischer Hintergrund

Am 10. März 1943 wurden die Bewohnerinnen und Bewohner des sogenannten „Zigeunerlagerplatzes“ an der Reginenstraße (heute Betriebshof der Bogestra an der Stadtgrenze zu Herne) sowie weitere Sinti und Roma aus Gelsenkirchen nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Grundlage dieser Deportation war der sogenannte „Auschwitz-Erlass“ von Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942, der die systematische Verschleppung von Sinti und Roma in Konzentrations- und Vernichtungslager anordnete.

Insgesamt wurden 61 Menschen aus Gelsenkirchen deportiert: darunter sieben Familien mit 40 Angehörigen vom Lagerplatz sowie drei weitere Familien aus dem Stadtgebiet mit 21 Angehörigen. Nur von drei der deportierten Menschen ist sicher bekannt, dass sie diese Verfolgung überlebten.

Zu den Opfern gehörte auch Rosa Böhmer, die am 22. September 1933 in Gelsenkirchen geboren wurde. Sie war noch keine zehn Jahre alt, als sie am 13. August 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Seit 2020 erinnert der Rosa-Böhmer-Platz in Gelsenkirchen an ihr Leben und das Schicksal ihrer Familie. Eine Erinnerungsorte-Tafel des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) informiert dort über ihre Geschichte.

Da der ehemalige Lagerplatz heute nicht mehr als Erinnerungsort zugänglich ist, findet die Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Deportation bewusst im Zentrum Gelsenkirchens statt. Das Datum steht zugleich in Verbindung mit dem 90. Geburtstag von Rosa Böhmer und erinnert daran, dass hinter den historischen Ereignissen immer einzelne Menschen, Familien und persönliche Schicksale stehen.

Erinnerung bewahren. Verantwortung übernehmen. Menschenwürde schützen.

Sinti Allianz Deutschland und Bundesvereinigung der Sinti und Roma schließen Bündnis für einen gemeinsamen Staatsvertrag

Gemeinsames Engagement für demokratische Teilhabe und Repräsentation der Minderheit

Berlin, 12. Juli 2023 – Vertreterinnen und Vertreter der Sinti Allianz Deutschland e. V. und der Bundesvereinigung der Sinti und Roma e. V. trafen sich im Europäischen Haus in Berlin zu einem gemeinsamen Austausch über die Zukunft der politischen Vertretung der deutschen Sinti und Roma.

Auf Einladung von Bundestagspräsidentin a. D. Prof. Dr. Rita Süssmuth und Prof. Gerd Weisskirchen, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages, kamen Vertreter verschiedener Bundesverbände zusammen, um über die Entwicklung eines Staatsvertrages mit der Bundesregierung zu beraten. Ziel war es, im Sinne von gegenseitigem Respekt, demokratischer Transparenz und Anerkennung der Vielfalt innerhalb der Minderheit ein gemeinsames und faires Bündnis zu entwickeln.

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Idee eines nationalen Repräsentationsrates als demokratisch legitimiertes Gremium. Dieser soll die Interessen der deutschen Sinti und Roma auf Bundesebene vertreten und als Ansprechpartner für Politik und Behörden dienen.

An dem Treffen nahmen für die Sinti Allianz Deutschland e. V. die Vorstände Oskar Weiss und Peter Richter sowie für die Bundesvereinigung der Sinti und Roma e. V. die Vorstände Daniel Strauß und Kelly Madeleine Laubinger teil.

Als Ergebnis der gemeinsamen Gespräche unterzeichneten beide Verbände einen Kooperationsvertrag, um sich gemeinsam für die Verwirklichung eines Staatsvertrages und eine stärkere demokratische Beteiligung der Minderheit einzusetzen.

Die Beteiligten betonten, dass ein solcher Staatsvertrag nur durch Zusammenarbeit, Offenheit und gegenseitigen Respekt entstehen kann. Die Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven innerhalb der Minderheit soll dabei Grundlage eines gemeinsamen demokratischen Weges sein.

Oskar Weiss, Vorstand der Sinti Allianz Deutschland e. V., erklärte:
„Wir möchten den Weg des Dialogs weitergehen und setzen auf Zusammenarbeit. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Schutz von Minderheiten besonders wichtig sind, braucht es gemeinsame Anstrengungen für mehr Teilhabe und Repräsentation.“

Mit dem Bündnis setzen die Sinti Allianz Deutschland e. V. und die Bundesvereinigung der Sinti und Roma e. V. ein Zeichen für demokratische Mitwirkung, Gleichstellung und eine gemeinsame Zukunft der Minderheit in Deutschland.

Erste zentrale Gedenkveranstaltung von Sinti United zum Deutzer Messelager – Erinnerung an die Opfer der NS-Verfolgung

Das Netzwerk Sinti United Hat eine zentrale Veranstaltung organisiert, um den Opfern des Deutzer Messelagers während der NS-Zeit zu gedenken. Dies ist das erste Mal, Dass eine solche Veranstaltung stattfindet. Das Ziel ist es, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und die Öffentlichkeit über die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuklären.

Kölns Bürgermeister Dr. Ralph Elster betonte bei der Gedenkveranstaltung, dass die Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte unerlässlich für unser heutiges friedliches Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft sei. Er bedankte sich bei allen Anwesenden für ihre Teilnahme. Auch der Landtagsabgeordnete Jochen Ott, der Antiziganismusbeauftragte Dr. Mehmet Daimagüler, der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke und der Leiter des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, Dr. Henning Borggräfe, hielten bewegende Reden. Ein besonderer Gast war der Zeitzeuge Christian Pfeil aus Trier, der seine Erfahrungen und Erlebnisse während der NS-Zeit mit den Zuhörern teilte. 21.05.2023

Treffen im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Antiziganismusbeauftragten Dr. Mehmet Daimagüler

Sicherung der Ruherechte für die Gräber NS-verfolgter Sinti und Roma beschlossen

Bund-Länder-Vereinbarung schafft langfristige Grundlage zum Erhalt der Grabstätten

Nach langjährigen Gesprächen und Beratungen ist die Entscheidung über die Sicherung der Grabstätten von Sinti und Roma, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden, gefallen. Mit der Bund-Länder-Vereinbarung zur Sicherung der Gräber NS-verfolgter Sinti und Roma wird gewährleistet, dass diese wichtigen Orte der Erinnerung dauerhaft erhalten bleiben.

Ein zentraler Punkt der Vereinbarung betrifft Grabstätten, in denen sowohl NS-verfolgte Personen als auch nicht verfolgte Angehörige bestattet sind und keine grabnutzungsberechtigte Person mehr vorhanden ist, die für den Anteil der nicht verfolgten Personen aufkommen kann. In diesen Fällen werden die gesamten Grabnutzungsgebühren übernommen, sodass die Ruhestätten weiterhin bestehen bleiben können.

Darüber hinaus wurde beschlossen, Friedhofsträgern, die entsprechende Gebühren bereits übernommen oder gestundet haben, die entstandenen Ausfälle rückwirkend ab dem 12. Oktober 2012 – dem Tag der Bundesratsentschließung – zu erstatten.

Auch für Grabstätten, die nicht mehr durch Angehörige gepflegt werden können, wurde eine Regelung vorgesehen. Die Unterstützung für die Pflege soll sich dabei an der bestehenden Pauschale nach dem Gräbergesetz orientieren.

Die Einigung zwischen Bund und Ländern stellt einen wichtigen Schritt für die Bewahrung der Erinnerungskultur dar. Die Gräber der verfolgten Sinti und Roma sind nicht nur persönliche Ruhestätten, sondern auch historische Zeugnisse der NS-Verbrechen und Orte des Gedenkens an die Opfer.

Mit der Umsetzung der Vereinbarung wird eine dauerhafte Grundlage geschaffen, um die Grabstätten zu schützen, die Erinnerung an die Verfolgten wachzuhalten und Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen.

Erinnerung bewahren. Würde schützen. Verantwortung übernehmen.

Formulare zum Download